Geführt oder Organisiert - Der Unterschied

Manche Leser der ASS-Mitteilungen werden vielleicht regelmäßig mit einem inneren Fragezeichen feststellen, dass da unterschieden wird zwischen geführten bzw. geleiteten Touren und organisierten Touren. Es steht dann da 'Führung/Leitung" oder 'Organisation".

Was ist der Unterschied?

Bei einer geführten Tour übernimmt der Führer/Leiter neben der Organisation auch die Führung der Teilnehmer.
Das heißt, er sucht die Wegstrecke/Route aus. Er ist auf Grund einer besonderen Sorgfaltspflicht dafür verantwortlich, dass den Teilnehmern im Rahmen des irgendwie Möglichen nichts passiert (ein Restrisiko bleibt natürlich bei einem Risikosport wie Bergsteigen, Skitouren und Klettern immer). Er hat darauf zu achter, dass die Teilnehmer nicht überfordert werden. Er muss auf sie aufpassen. Er hat die Pflicht, Ausrüstung und Fähigkeiten der Teilnehmer zu überprüfen und die Tour darauf auszurichten. Er hat das Recht, Anweisungen zu geben oder auch etwas zu verbieten. Die Teilnehmer haben auf den Führer/Leiter zu hören.

Ganz anders sieht das aus bei einer organisierten Tour. Bei dieser beschränkt sich die Tätigkeit des Organisators auf die reine Organisation der Tour - besonders bei der Vorbereitung wie Aussuchen des Zielgebietes, Besorgung der Unterkunft, Regelung der Fahrt.
Der Organisator kann natürlich auch Tourenvorschläge machen, die im Zielgebiet möglich sind. Aber bei der Auswahl der Tour sind alle Teilnehmer eigenverantwortlich beteiligt. Keiner bestimmt über den anderen. Der Organisator ist z.B. nicht verantwortlich für die ordnungsgemäße Ausrüstung der Teilnehmer, er braucht nicht die Fähigkeiten der Teilnehmer zu überprüfen, er führt nicht, er gibt keine Anweisungen.
Bei einer nicht geführten, sondern nur organisierten Tour haben alle Teilnehmer die im Rahmen des Bergsports übliche Sorgfaltspflicht und Verantwortung (Garantenstellung). Der Organisator trägt dabei keine herausragende Verantwortung. Bei unseren Tourenausschreibungen wird das meistens noch unterstrichen durch Zusätze wie "selbständige Tourengeher" oder "Klettern in selbständigen Seilschaften".

Wichtig: Das für eine rein organisierte Tour Gesagte gilt nicht für minderjährige Teilnehmer. Bei diesen hat auch der Organisator die Pflichten eines Führers.

Und noch ein kleiner Hinweis aus der Juristerei: Aus rechtlicher Sicht ist der Begriff "Führer" nicht gebunden an eine offiziell anerkannte, lizenzierte Ausbildung (z.B. beim DAV). Hier ist natürlich der Verein - vertreten durch den Vorstand und die Referenten - besonders in die Pflicht genommen.
Bei offiziell ausgebildeten und lizenzierten Führern kann normalerweise immer davon ausgegangen werden, dass sie eine Tour ordnungsgemäß führen können. Eine Tour. die von einem nicht offiziell ausgebildeten Führer als geführte Tour ausgeschrieben werden soll, muss dagegen vom Verein genauestens geprüft werden, und der Verein muss von dem persönlichen Können des Führers und seinen Führungsfähigkeiten überzeugt sein.

Ich hoffe, dass mit diesen Darlegungen für etwas mehr Klarheit gesorgt ist. Vielleicht ist auch ein wenig ersichtlich geworden, dass im Rahmen von organisierten Touren noch vieles angeboten werden könnte. Denn mit Sicherheit gibt es noch zahlreich versteckte Talente unter den aktiven Vereinsmitgliedern. Und wenn diese dann vielleicht sogar "Geschmack" bekämen an einer offiziellen Ausbildung beim DAV oder SBSB.


Franz-Josef Kleer. Bergsteigergruppe